Operationsverfahren

 

In Deutschland wurden 2011 laut Statistischem Bundesamt 146.000 Krampfaderoperationen durchgeführt. Krampfadern sind kranke Venen, in denen das Blut wieder ins Bein zurückfließt statt zum Herzen. Beinschwellungen, Schweregefühl, Juckreiz und nächtliche Wadenkrämpfe treten vermehrt auf. Die Spätform, nämlich das offene Bein, ist nur noch selten zu sehen.

 

Die klassischen Wege wie Stripping, Laser oder Radiowelle sind in der Behandlung von Krampfadern bekannt. Mechanische Schäden treten beim Stripping auf, denn die Vene wird in einer chirurgischen Operation über viele Schnitte entfernt. Durch die enormen Temperaturen von mehr als 120°C kommt es bei den thermischen Verfahren (Laser / Radiowelle) zu unangenehmen Begleiterscheinungen. Die Krampfader wird hierbei über eine in die Vene eingeführte Sonde unter hoher Hitze geschrumpft und damit verschlossen. Auf eine Narkose kann bei diesen Verfahren nicht verzichtet werden. Für die Nachbehandlung ist ein Kompressionsstrumpf für 4 bis 8 Wochen zu tragen.

 

Gibt es Alternativen?

 

Auf der Suche nach einem Verfahren, welches für mich als Phlebologen eine echte Alternative zu diesen Eingriffen darstellt, bin ich vor Längerem auf das VenaSeal Closure System gestoßen, den sogenannten Venenkleber.

 

Mit diesem Verfahren kann ich bewährte Methoden kombinieren. Im Ergebnis führt dies zu einer erheblichen Verbesserung der operativen Prozedur und des Resultates. Eine Nachbehandlung ist im eigentlichen Sinne nicht mehr nötig.

Bei diesem ambulanten Eingriff ohne Narkose wird durch einen kleinen Einstich am Unterschenkel  eine dünne Sonde in die erweiterte Vene eingeführt. Von der Punktionsstelle aus wird die Sonde bis in die Leiste bzw. die Kniekehle vorgeschoben. Ist die Sonde unter Ultraschallkontrolle exakt platziert, wird über diese Sonde ein flüssiger Venenkleber (Cyanoacrylat) eingespritzt und die Vene unter Sicht verklebt. Der Cyanoacrylat-Venenkleber ist ein Gewebekleber, der in der Medizin seit 1960 eingesetzt wird und erprobt ist. Internisten/Gastroenterologen setzen ihn zum Verkleben von Speiseröhrenkrampfadern schon seit langem ein. Blutergüsse entstehen selten. Auch Nervenverletzungen oder Verletzungen der Lymphgefäße, werden nicht mehr gesehen. Weitere Hautschnitte entfallen. Die Patienten benötigen keinen Kompressionsstrumpf. Nur ein Pflaster an der Punktionsstelle erinnert an den Eingriff.

 

Direkt nach dem Verfahren stehen meine Patienten auf, fahren selbstständig mit dem Auto nach Hause oder zur Arbeit und können ihren ganz alltäglichen Aktivitäten nachgehen. Eine Arbeitsunfähigkeit besteht nicht. Nach zehn Tagen erfolgt die Abschlusskontrolle. Aus meiner Sicht eine wirkliche Alternative.

 

Was passiert mit dem Kleber: Der Kleber und die verklebte Vene werden innerhalb von 12 bis 18 Monaten vom Körper vollständig resorbiert. Er ist ungiftig und nicht krebserregend. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat ihn ausführlich untersucht und im Februar 2015 offiziell freigegeben.

 

Krampfadern Behandlung

 

Was empfehle ich meinen Patienten: Konventionelle Operationen sind sehr effektiv. Auch kosmetisch müssen keine Abstriche gemacht werden. Mit modernen Sonden lässt sich die Stripping-Operation über nur einen Hautschnitt in der Leiste durchführen.

 

Das einzige Verfahren, welches ohne Narkose und ohne Kompressionsstrumpf möglich ist, ist das VenaSeal Closure System, der Venenkleber. Es gibt keine Narkoserisiken! Allergische Reaktionen sind nicht bekannt. Medikamente, auch Blutgerinnungshemmer, müssen nicht abgesetzt werden. Patienten mit Herzschrittmachern brauchen sich nicht zu sorgen. Auch eine arterielle Durchblutungssörung ist unbedeutend, da der Kompressions-strumpf entfällt. Ein Diabetes ist unproblematisch, da die Patienten nicht nüchtern zum Eingriff kommen. Die meisten kennen den Kleber als "Sprühpflaster".

 

Die Kosten werden durch die privaten Versicherer vollständig übernommen. Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen hat in einer Anfrage gemäß Bundesbeihilfeverordnung (BBhV) die Aufwendungen der Venenoperation mittels „Vena-Seal-Obliterationsverfahren“ als beihilfefähig anerkannt. Gesetzlich Versicherten stelle ich einen Kostenübernahmeantrag aus, der bei den Krankenkassen eingereicht wird. Erfreulich ist, dass die Gesetzlichen Krankenkassen entsprechend den Ausführungen ihrer Satzungen ("Kostenerstattung / nicht zugelassene Leistungserbringer") zunehmend ihre Versicherten bei dieser Therapie unterstützen.

 

Artikel bei Jameda von Dr. med. Jörg Fuchs

Dr. med. Jörg Fuchs

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